Heft 1/2022


Free Speech


Wie steht es um die Ausdrucksfreiheit der Kunst? Wie um die vermeintlich immer rigider werdenden Diskursregulierungen im kulturellen Feld? Ist das Grundrecht der freien Meinungsäußerung aktuell noch in Kraft? Oder haben wir uns längst einer vielbeschworenen Zensur, oder schlimmer noch: Selbstzensur ergeben? Seit – meist etwas diffus – von Cancel Culture, Woke-Haltungen oder Identitätspolitik die Rede ist, ist auch das „freie Sprechen“ tendenziell wieder stärker umkämpft. Oder zumindest wollen uns dies die häufig aus reichlich illiberalen Zusammenhängen kommenden Wächter*innen der uneingeschränkten Meinungskundgabe glauben machen. Welche Trenn- und Differenzlinien durchziehen aber wirklich das weite Terrain öffentlicher (wie auch privater bzw. sozial-) Diskurse? Ist das Feld der freien Rede oder des freien künstlerischen Ausdrucks nicht immer schon ein hochgradig antagonistisches, ja wild zerklüftetes Gelände gewesen? Macht es Sinn, auf konsensuelle Übereinstimmung zu schielen, was über wen gesagt werden darf und was nicht? Oder sollten zuallererst einmal die multiplen und oft radikal diversen Redehintergründe (an)erkannt werden? Schließlich macht es den entscheidenden Unterschied, von "wo" aus und von "wem" genau etwas eingefordert oder bisweilen auch zu unterbinden versucht wird. Sollten nicht die oft stillschweigend vorausgesetzten oder impliziten Koordinaten der „freien Rede“ zunächst offengelegt und analysiert werden, bevor ein diesbezüglich Recht eingefordert werden kann? Die Ausgabe Free Speech versucht dies anhand aktueller Anlassfälle sowie historischer Verschiebungen in den letzten Dekaden aufzurollen und Bedingungen eines widerstreitenden, gleichwohl respektvoll-solidarischen Diskursgeschehens zu diskutieren. Zur Sprache oder Darstellung kommen sollen dabei auch Ansätze, die künstlerische Ausdrucksfreiheit indirekt oder formal verklausuliert thematisieren.

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EDITION
Ines Doujak