Heft 2/2019


Illiberal!


Liberalität ist einer der am heftigsten umkämpften Begriffe der Gegenwart. Auf der einen Seite wächst die Sorge darum, ob sich ein universell geltender Freiheitsbegriff in irgendeiner Form retten lässt. Auf der anderen gibt es die bekannten Attacken genau darauf unter dem Motto einer emphatisch beschworenen Illiberalität. Der vielerorts beobachtbare Hang zum „Unfreiheitlichen“ versucht das in jahrhundertelangen Mühen durchgesetzte liberale Menschen- und Weltbild durch ein negatives Zerrbild zu ersetzen – die separatistische, ja oft rassistisch verfasste Freiheit der wenigen, national/ethnisch Auserwählten – und das mit Erfolg! Die liberale Demokratie, eine Errungenschaft des politisches Aufklärungsdiskurses, gerät dabei zunehmend unter die ideologischen Räder neuer Autoritarismus- und Faschismusformen, die sich mittlerweile beachtlicher Zustimmung erfreuen. Wie, durch welche konkreten Mittel, lässt sich diese fortschreitende Politik der Spaltung aufhalten? Inwiefern bedingen zunehmende Globalisierung und Digitalisierung Entwicklungen, die mit einem liberalen Menschenbild unvereinbar sind? Und wie muss sich die Freiheit der Kunst neu justieren, um nicht selber nolens volens einem Klima steigender Liberalitäts-beschränkung zuzuarbeiten? Kurzum: Welche neue Dialektik der Befreiung gilt es für die Kultur der Gegenwart zu entwerfen?

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EDITION
Ines Doujak