Vorschau



Heft 4/2021

Zeuge/Zeugin sein

Kann Kunst wahre Begebenheiten wiedergeben? Kann sie ungeachtet aller ästhetischen Formatierung, die sie wohl oder übel vornimmt, unverfälschte Blicke auf historische (oder andere sachliche) Begebenheiten werfen – als gleichsam veristisches Medium? Und lässt sich Zeugenschaft, als juridischer Begriff, auch von künstlerischer Seite her verstehen, ja auf eine Weise ergänzen, die im disziplinären Register vielleicht so gar nicht vorgesehen ist? Die Ausgabe Zeuge/Zeugin sein versammelt Schlaglichter und Stimmen zu diesem Fragenkomplex. Sie gibt das Wort dabei zum überwiegenden Teil jenen, die seitens ihrer künstlerischen Praxis, ihrer Karrierewege, aber auch ihrer ästhetischen Repertoires und politischen Anliegen etwas zu bekunden, zu beglaubigen, ja zu „bezeugen“ haben. Zur Sprache kommen dabei nicht nur neuerdings um sich greifende „tribunalistische“ Ansätze, sondern auch geschichtlich weiter zurückreichende Bekundungsszenarien, in denen einzelne gegen Amnesien und Schweigegebote ankämpfen oder dabei unterbelichtete Wahrheiten zutage fördern. Zeuge/Zeugin sein macht derlei Renitenzen und Resistenzen – kleine, unscheinbare Wahrheitsberichte und „Testimonials“ – angesichts relativismusfreundlicher Gesinnungslagen geltend.

Erscheinungsdatum: 15. Dezember 2021