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Heft 4/26 – Schule machen

Seit mehr als einem Jahrhundert taucht die Schule in der Kunst dort auf, wo Institutionen des Wissens und der Kultur als unzureichend erscheinen. Vom Bauhaus und Black Mountain College über Anti-University, Free International University, feministische Consciousness-Raising-Gruppen und Popular Education bis zu selbstorganisierten Akademien und nomadischen Schulen der Gegenwart verläuft dabei keine lineare Geschichte, wohl aber eine wiederkehrende Frage: Wie lässt sich Wissen anders organisieren? „Schule“ meint hier weniger Gebäude, Abschluss oder Curriculum als eine soziale Form – zeitweilige Gemeinschaft, kollektive Forschung und den Versuch, Hierarchien zwischen Lehrenden und Lernenden, Theorie und Praxis, künstlerischem und situiertem Wissen neu zu ordnen. 

Heute gewinnt dieser Zug zur Schule neue Dringlichkeit. Während öffentliche Bildungssysteme unter Ökonomisierung und politischem Druck stehen und kulturelle wie zivile Infrastrukturen fragiler werden, entstehen im und am Rand des Kunstfelds neue Lernökologien: Summer Schools, Travelling Academies, Peer-to-Peer-Programme, Studiengruppen und „schools without schools“. Sie verbinden künstlerische Praxis mit politischer Bildung, Community-Arbeit, Ökologie oder Commoning und begreifen Lernen weniger als Vermittlung fertigen Wissens denn als Produktion von Beziehungen und Handlungsfähigkeit. Dieses Heft fragt, was sich dadurch artikuliert wird. Wird Schule zu einer institutionellen Form der Gegenwartskultur, in der andere Öffentlichkeiten und Formen des Zusammenarbeitens erprobt werden? Oder wird das Versprechen horizontalen Lernens selbst zum flexiblen Format eines prekären Kulturbetriebs? Welche Wissensformen werden sichtbar, wer kann teilnehmen, wer bleibt ausgeschlossen – und wer trägt die oft unsichtbare Arbeit? Zwischen Gegeninstitution, sozialer Infrastruktur und künstlerischem Experiment untersucht die Ausgabe das Schule-Machen als Symptom wie als Möglichkeit: nicht als Rückzug aus der Kunst, sondern als Versuch, ihre institutionellen Bedingungen neu zu entwerfen.

Erscheinungstermin: 15. Dezember 2026