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Heft 2/2019

Illiberal!

Liberalität ist einer der am heftigsten umkämpften Begriffe der Gegenwart. Auf der einen Seite wächst die Sorge darum, ob sich ein universell geltender Freiheitsbegriff in irgendeiner Form retten lässt. Auf der anderen gibt es die bekannten Attacken genau darauf unter dem Motto einer emphatisch beschworenen Illiberalität. Der vielerorts beobachtbare Hang zum „Unfreiheitlichen“ versucht das in jahrhundertelangen Mühen durchgesetzte liberale Menschen- und Weltbild durch ein negatives Zerrbild zu ersetzen – die separatistische, ja oft rassistisch verfasste Freiheit der wenigen, national/ethnisch Auserwählten – und das mit Erfolg! Die liberale Demokratie, eine Errungenschaft des politischen Aufklärungsdiskurses, gerät dabei zunehmend unter die ideologischen Räder neuer Autoritarismus- und Faschismusformen, die sich mittlerweile beachtlicher Zustimmung erfreuen. Wie, durch welche konkreten Mittel, lässt sich diese fortschreitende Politik der Spaltung aufhalten? Inwiefern bedingen zunehmende Globalisierung und Digitalisierung Entwicklungen, die mit einem liberalen Menschenbild unvereinbar sind? Und wie muss sich die Freiheit der Kunst neu justieren, um nicht selber nolens volens einem Klima steigender Liberalitäts-beschränkung zuzuarbeiten? Kurzum: Welche neue Dialektik der Befreiung gilt es für die Kultur der Gegenwart zu entwerfen?

Erscheinungsdatum: 15. April 2019

 

Heft 3/2019

Out of Africa

Nicht erst seit dem Entstehen (und der umgehenden Verhinderung) neuer Migrationsrouten beginnt der geopolitische Status des afrikanischen Kontinents in einen neuen Fokus zu rücken. Seit längerem schon versuchen Diskurse über Dekolonialität, den Globalen Süden und die Gefahren eines fortwährenden „Afro-Pessimismus“ das Bild dieses Kontinents (sofern sich dabei überhaupt ein einheitliches Gebilde behaupten lässt) zurechtzurücken. Auch die kontinuierlichen Versuche, die multiplen Kunstpraktiken aus unterschiedlichsten afrikanischen Regionen einem globalen Publikum näherzubringen, spielen dabei eine entscheidende Rolle. Wie lassen sich die immer noch vorherrschenden Denkmuster und Bildregime in Sachen „Afrika“ aus ihren traditionellen Verhärtungen befreien? Wie die Fixierungen des Kontinents auf bestimmte geopolitische Markierungen (endloses Rohstoffreservoir, billiger Absatzmarkt, vornehmlicher Produzent von „human waste“) lösen? Das Heft „Out of Africa“ fragt nach neuen Ansätzen eines solchen Befreiungsdiskurses und der Vielgestaltigkeit einer ihm entsprechenden Kunst. Zur Sprache kommt dabei auch, welche neuen Verknüpfungslinien sich gegenwärtig zwischen Kunst und Migration auftun, desgleichen die Frage, wie ein erweiterter Blackness-Begriff dazu beitragen kann, ein zeitgemäßes, von vorwiegend negativen Konnotationen entledigtes Afrika-Denken zu fördern.

Erscheinungsdatum: 15. Juli 2019