Vorschau
Heft 3/26 – Teslokratie
Ob Energiewende, Digitalisierung oder Raumfahrtvisionen – der Ruf nach Geschwindigkeit und Innovation prägt zunehmend die Welt des Politischen und ihre Entscheidungsprozesse. Sichtbar wird hier eine neue Form von Machtdis-positiv: eine autoritär gelenkte Effizienzpolitik mit möglichst geringer Öffentlich-keitsbeteiligung, die sich in erster Linie technokratisch legitimiert. Mit dem Heft „Teslokratie“, das in Kooperation mit den Gastredakteuren Christoph Chwatal, Alexander Karschnia und Heimo Lattner entsteht, wollen wir uns diesen Tenden-zen widmen – von der Restrukturierung demokratischer Institutionen über die immer stärkere Entfesselung der Digitalökonomie bis hin zu techno-utopischen Fantasien einer Besiedelung des Mars. Dabei geht es nicht so sehr um einzelne Proponent*innen oder Unternehmen, sondern um die Verdichtung gegenwärtiger Entwicklungen an der Schnittstelle von ökologischer Transformation und technokapitalistischer Herrschaft. Die Vision, Staaten wie Unternehmen zu führen, mit CEOs anstelle von demokratisch gewählten Repräsentant*innen, ist längst zum realpolitischen Programm einflussreicher Tech-Milliardäre geworden. Inspiriert von Denkfiguren des Anarchokapitalismus (etwa Murray Rothbard oder Curtis Yarvin) zeichnet sich hier ein Angriff auf die Grundfesten westlicher Demokratien ab – legitimiert durch Begründungsmuster, die auf Effizienz, Innovation und Zukunftssicherheit pochen.Die Ausgabe widmet sich den ästhetischen, bildpolitischen und ideologischen Dimensionen dieser Verschiebungen aus vorwiegend kunst- und kulturkritischer Perspektive. Welche Narrative begleiten oder stützen den Aufstieg der „Teslokratie“? Welche Rolle spielen Kunst und visuelle Kultur im Zusammenhang von Technofuturismus, ökologischer Rhetorik und autoritärer Planung? Und wie reagieren künstlerische Praktiken auf die Transformation demokratischer Öffentlichkeit in einer smart durchoptimierte Gouvermentalitität?
Erscheinungstermin: 15. September 2026