Ausgangspunkt von Ernst Logars und Kinga Kiełczyńskas Projekt Everyday Fairy Tale ist, dass Märchen eine starke Kraft entwickeln und sich in das kollektive Unbewusste einschreiben. Märchen entspringen der Hoffnung auf Veränderung, der Anpassungsfähigkeit des Lebens und dem Bedürfnis, die Umstände zu verbessern. Sie haben weniger mit Logik als mit ganzheitlichem Denken zu tun.
Logar und Kiełczyńska sehen darin die geeignete Form, um den notwendigen Übergang zu einer regenerativen Zukunft zu skizzieren und einen Wandel der Gesellschaft zu imaginieren. Da der Umstieg auf nachhaltigere Energiequellen auch zu einer Welt mit geringeren Energiemengen führen wird, werden neue Energieformen den Lebensstil der Menschen beeinflussen. Dies muss nicht zwangsläufig zu einer Verarmung führen, sind die beiden Künstler*innen überzeugt. Im Rahmen des Projekts werden zwei Märchen erarbeitet, die um folgende Fragen kreisen: Wie könnte dieser neue, regenerative Lebensstil aussehen? Wie werden die Menschen ihren Alltag gestalten? Was werden sie essen, wie reisen, wie ihre Freizeit verbringen, Geld ausgeben, und welche Werte werden sie haben?
Everyday Fairy Tale – Story I
Die Menschheit ist in drei Gruppen unterteilt: Ölmenschen, Paläo-Menschen und Aeronaut*innen. Iona, die Protagonistin der Geschichte, ist ein Mitglied der Aeronaut*innen. Sie ist die sensibelste unter ihnen und kann spüren, dass eine Katastrophe kurz bevorsteht. Sie hat die Vision einer riesigen Sonneneruption, die die Zivilisation auf der Erde zerstören wird. In ihrem Dorf glaubt ihr niemand, also verlässt sie es und geht zu den Ölleuten, um sie zu überzeugen. Diese ignorieren sie allerdings und halten sie für verrückt, also geht sie zu den Paläo-Menschen. Obwohl auch diese ihr nicht glauben, folgt sie ihnen und lernt dabei einen Paläo-Jungen kennen. Er ist der Sohn des Anführers, und sie verlieben sich ineinander. Gemeinsam gehen sie wieder zu den Ölmenschen, werden von diesen aber verjagt. So kommen sie zurück zu den Aeronaut*innen, doch auch dort werden sie nicht akzeptiert. Denn der Freund ist ein noch größeres Problem als Ionas katastrophale Visionen.
Iona verliert ihr Selbstvertrauen. Sie beginnt zu glauben, dass ihre Visionen falsch sind. Sie zieht mit ihrem Freund in die Wildnis, wo sie außerhalb jeder Gemeinschaft leben. Hier treffen sie einen Magier, der ebenfalls ein Ausgestoßener ist. Dieser erinnert sich daran, wie sich die drei Gemeinschaften in der Vergangenheit voneinander getrennt haben. Er bestätigt auch, dass Ionas Visionen wahr sein könnten, und ermutigt sie, weiter ihrer Mission treu zu bleiben. Mit wiedergewonnenem Selbstvertrauen gehen Iona und ihr Freund gemeinsam mit dem Zauberer zum Stamm der Aeronaut*innen. Diesmal werden sie aufgenommen, und man glaubt ihnen. Zusammen mit einer Delegation der Aeronaut*innen überzeugen sie die Paläo-Menschen, ihre Höhlen mit den Menschen zu teilen, die vor der Sonneneruption fliehen werden.
Danach gehen Iona und ihre Freund*innen wieder zu den Ölmenschen. Diese glauben ihnen immer noch nicht, weil ihre Wissenschaft diese Art von Gefahr nicht vorhersagt. Schließlich besetzen die Paläo-Leute ihre Hauptstadt, und die Aeronaut*innen, die auch das Wetter verändern können, schaffen es in Form einer friedlichen Demonstration, die Ölmenschen umzustimmen.
In der Folge werden Vorkehrungen getroffen: Die Ölmenschen lagern Lebensmittel, Saatgut und andere Materialien ein, die sie nach der Katastrophe benötigen. Dann flüchten alle in die Höhlen, auch die wilden Tiere. Die Sonneneruption kommt und zerstört die Ölzivilisation. Sie vernichtet auch einen Großteil der Natur auf der Erde. In der Zwischenzeit leben die Menschen der drei Stämme zusammen in den Höhlen. Der Zauberer ist unter ihnen und erzählt von ihrer gemeinsamen Geschichte. Die Gruppen lernen einander besser kennen und beginnen, sich zusammenzuschließen und Erfahrungen auszutauschen.
Schließlich kehrt die Sonne zu ihrer normalen Aktivität zurück. Die Menschen verlassen die Höhlen und beginnen mit dem Aufbau einer neuen Kultur und Zivilisation, in der die drei Gruppen zusammenarbeiten und -leben. Iona und ihr Paläo-Freund können jetzt in einer Ölstadt leben, wenn sie wollen, die Ölmenschen können mit den Paläo-Menschen umherziehen, die Aeronaut*innen können die Landwirtschaft der Ölmenschen unterstützen, indem sie das Wetter während des Vegetationszyklus regulieren, usw. :)
Arbeitsgruppe Warschau: Piotr Borkowski, Simone De Iacobis, Kinga Kielczynska, Ryszard Kolasiński, Małgorzta Kuciewicz, Ernst Logar, Anna Rozwadowska-Rusiniak