Heft 4/2024 - Climate Dignity


Interbeing

Kay Walkowiak


Interbeing (2025) ist ein Performancefilm, dem die Denkfigur der psychophysischen Vernetzung und ein relationales Verständnis der Natur-Mensch-Konstellation zugrunde liegt. In unberührter Natur auf Yakushima (Japan) gefilmt, entfalten sich an acht Orten acht individuelle Choreografien eines singulären menschlichen Körpers im Dialog mit der jeweils spezifischen Beschaffenheit seiner Umgebung. In meditativer Langsamkeit entschleunigter Bewegungen und in ausgedehnten Phasen scheinbar reglosen In-sich-Ruhens offenbart sich ein Szenario höchster Präsenz in der Gegenwart: Die Qualität des Verbindenden wird zur allumfassenden Realität. Ausgangspunkt des Filmes ist die tief in den Philosophien des Shintoismus und Zen-Buddhismus verankerte Erkenntnis, dass unser Körper und unser Planet nicht entgegengesetzte Gegenstände sind, sondern ein lebendiges Beziehungsgeflecht darstellen: ein Zusammenspiel aus unterschiedlichsten Weisen der Koexistenz diversester Arten von Leben – menschliches und nicht-menschliches. In dieser Konstellation existiert unser Körper als eine empfindsame Intensität, die sowohl Raum als auch Form ist: Der Mensch ist niemals abgegrenzt von seiner Umgebung, sondern immer schon als mit ihr zutiefst verwoben zu begreifen.