Vor einiger Zeit schon stolperten wir über einen wissenschaftlichen Artikel mit dem hinreißenden Untertitel Owning the Weather in 2025.1 Darin skizzierte die U.S. Air Force Möglichkeiten der militärischen Nutzung neuer Technologien zur Beeinflussung des Wetters. Ihr Plan zur Manipulation der Atmosphäre sah vor, das Wetter zukünftig durch seine Steuerung zu einem taktischen Asset zu machen, mit dem man die eigene militärische Macht multiplizieren kann: Man erzeugt Nebel, um Truppenbewegungen zu tarnen, löst Wolken auf, um besser aufklären zu können, verstärkt Gewitter über dem Feind. Anfangs dachten wir, das klänge sehr nach Science-Fiction. Doch das Ansinnen, „das Wetter zu besitzen“, blieb uns im Gedächtnis und funkte jedes Mal ins Bewusstsein, wenn wir die Wettervorhersage hörten.
Temperatur, Luftfeuchtigkeit, Niederschlag – so klingt das klinische Vokabular von Wetterberichten. Doch mit bloßen Daten wird man der Welt heute nicht mehr gerecht. Wir sind mit unerbittlichen Extremwetterereignissen konfrontiert, mit Flutkatastrophen, Hitzewellen, Wirbelstürmen, Flächenbränden und Dürren, die Pflanzen hinwegraffen und Ökosysteme zerstören.
Vor zwei Jahren gab es in Europa die schlimmste Dürre in fünf Jahrhunderten. Die Pegel der Flüsse sanken, und ans Tageslicht kamen sogenannte Hungersteine – alte Niedrigwassermarkierungen, die uns eindringlich warnen sollten. Diese sonst im Flussbett versteckten Steine sind historische meteorologische Chroniken, Stimmen aus der Vergangenheit, die erst zum Vorschein kommen, wenn der Wasserpegel sinkt – in Stein gehauene Warnungen.
Wir ließen uns davon anregen, dass Hungersteine Wettervorhersagen der anderen Art machen. In den dürren Weiten der Sahara Olteniei im Süden Rumäniens fanden wir ein trockenes Flussbett, in dem nur noch Steine lagen. Wir nahmen zwei davon mit nach Westrumänien und versenkten sie im Flussbett der Timiș, deren Wässer noch gleichmäßig strömten. In einen Stein gravierten wir die Worte „Cine Stăpânește Vremea?“ (Wer steuert/besitzt das Wetter?) ein. Er ist nun ein stummer Zeuge der sich verändernden Wassermassen, ein geheimer stummer Sensor hydrologischer Veränderungen, ein unsichtbares Denkmal, das in die Zukunft anstatt in die Vergangenheit weist. Denn auf Rumänisch bedeutet „vreme“ sowohl „Wetter“ als auch „Zeiten“, während „stăpânește“ (von „a stăpâni“) steuern, herrschen und besitzen meint. Wer steuert also unsere Zeiten? Und wem gehört das Wetter? Im Oktober 2024 brachten die sinkenden Pegel den Stein fast vollständig an die Oberfläche.
Die Wüstenbildung in Südeuropa schreitet jährlich voran. Vor dem Hintergrund der um sich greifenden Trockenheit begannen wir 2019, Pollen aus Regionen, die kurz vor der Verwüstung stehen, zu sammeln. Die ersten kamen aus der Oltenischen Sahara, nahe dem Bett jenes ausgetrockneten Flusses, weitere aus ganz Südeuropa, von Griechenland bis Spanien. In Sedimentschichten konserviert, ist jeder Pollen auch eine Spur, die vom Verschwinden der Flora zeugt. Wir sammelten Pollen aus trockenen Regionen, die nun von Wüstenbildung betroffen sind, und lagerten sie in Form geologischer Kernproben. Wir konservieren sie nicht als Kunstobjekte, sondern zum Zwecke zukünftiger Klimaforschung.
Auch Bienen spielen eine wichtige Rolle für ganze Ökosysteme. Das Bienensterben hätte daher die allergrößten Auswirkungen auf alle Lebensformen auf der Erde. Bienen versammeln und reiben sich aneinander, um die Temperatur des Stocks auf mehr als 33° C zu heben. Bei dieser Temperatur verwandeln die Wachsdrüsen in ihren Körpern den Zucker im Honig in Bienenwachs – ein ebenso haltbares wie empfindliches Material, das einstmals für die ersten Tonaufnahmen verwendet wurde. Bienenwachs hielt damals den Klang der menschlichen Stimmen in den Rillen von Zylindern fest. Wir kommen heute auf das Bienenwachs zurück, um den Klang einer sterbenden Welt einzufangen.
Gemeinsam mit Pavel Brăila stellten wir eine Liste von Geräuschen zusammen, die durch Umweltveränderungen in städtischen und ländlichen Gebieten weltweit am Verschwinden sind. Präsentiert wurden diese erstmals im Rahmen eines Wanderprojekts, das uns von Wien über Chișinău bis nach Tokio führte. Die Bienenwachsschallplatte löst sich mit der Zeit auf und kann nur begrenzt oft abgespielt werden, bevor die Geräusche verstummen. Unser Projekt thematisiert die Umweltzerstörung durch mehr-als-menschliche Medien – durch Bioindikatoren wie Pflanzen, Wirbeltiere, Insekten, Amphibien, Pilze, Flechten und Mikroorganismen.
Inmitten der Aufregung um Klima und Weltkonflikte bleibt unsere Aufmerksamkeit fahrig. Wir bewegen uns entlang fragiler Grenzen und untersuchen, wie man in mehr-als-menschlichen Stimmen ökologische Störungen vernehmen kann. Und wir fragen uns: Wem gehört das Wetter, unsere Epoche und unser Planet? Wer hat die Kontrolle? Kann man das Wetter jemals „besitzen“?
Übersetzt von Thomas Raab
[1] J. House et al., Weather as a Force Multiplier: Owning the Weather in 2025, Defense Technical Information Center, 1996; https://apps.dtic.mil/sti/pdfs/ADA333462.pdf.